Die Buchhandlung mit den velen guten Seiten und dem blauen Pelztier

Verlag: Diogenes

Preis: 25,90

Kenneth Bonert

Der Löwensucher

Geschichten über das Erwachsenwerden gibt es unzählige, aber dies ist eine ganz besondere. Als Kind flieht Isaac Helger mit seiner Mutter und seiner Schwester aus Litauen nach Johannesburg. Im dortigen jüdischen Ghetto betreibt sein Vater Abel eine Uhrmacherwerkstatt. Der kleine Issac hat es sich zum Ziel gemacht, seiner Mutter ihren Lebenstraum zu erfüllen und ihr eines Tages ein eigenes Haus mit Garten kaufen zu können. Nach einer missglückten Schullaufbahn entwickelt er mit einiger Fantasie verschiedene Geschäftsmodelle, um seiner Familie zu Wohlstand zu verhelfen. Dabei lernt er nicht nur einzigartige Charaktere, sondern auch die Spielregeln der Gesellschaft im Johannesburg des frühen 20. Jahrhunderts kennen. Als weißer Jude fühlt er sich den Schwarzen überlegen, wird aber zugleich aufgrund seiner Religion von den Christen diskriminiert. In dieser Zeit politischer Umbrüche lernt Isaac, sich in einer Welt voller Grausamkeiten zu behaupten und seinen eigenen Weg zu gehen.

Dieser Roman ist beeindruckend komponiert und unglaublich wortgewaltig, sodass er trotz über 700 Seiten Länge kurzweilig bleibt. Die auffällige Häufung von Grausamkeiten und Gewalt ist gewöhnungsbedürftig, aber wohl dem Milieu geschuldet. Wenn auch ungeeignet für schwache Nerven, bleibt dieses Buch doch ein gelungenes Romandebüt.

Hanna Lörner