Die Buchhandlung mit den velen guten Seiten und dem blauen Pelztier

Julia Giesen

Mein Tipp im März 2018: 

Eric Carle / Dagmar von Cramm, Die kleine Raupe Nimmersatt. Unser Kochbuch

Gerstenberg Verlag, 12,95

 

 

 

Mein Tipp im Oktober

Hanns-Josef-Ortheil: "Der Typ ist da"

(Kiepenheuer & Witsch)

Der neue Roman von Hanns-Josef Ortheil "Der Typ ist da" entführt uns dieses Mal in das "venezianische" Köln. Als die Kölner Studentin Mia beim Abschied in Venedig ein unverbindliches "Kommt mich doch mal besuchen" in die Runde wirft, erwartet sie wohl kaum, dass jemand ihre Einladung ernst nimmt.

Um so überraschter ist sie, als eines Tages der zurückhaltende Matteo unangemeldet vor ihrer Mädels-WG in Köln steht. Von da an wird das wohl geordnete Leben der drei Bewohnerinnen kräftig durcheinander geschüttelt. Der stille, unaufdringliche Restaurator Matteo, der sich so ganz anders als gleichaltrige Männer verhält und dessen Leidenschaft dem Zeichnen gehört, fasziniert und berührt  die jungen Frauen jeweils auf ganz besondere Art. Matteo nähert sich Köln unterdessen auf "zeichnende" Weise an und sucht überall nach Verbindungen zwischen dem Kölner Norden und dem venezianischen Süden. Besonders der Kölner Dom hat es ihm angetan. Hier kann er seinen geliebten Heiligenfiguren nahe sein und auch seiner eigenen Identität nachspüren. So entwickelt sich ein spontaner Besuch zum Weichensteller und Impulsgeber für vier junge Leben. Hanns-Josef Ortheil ist damit ein moderner und dynamischer Roman gelungen, der nicht nur die Selbstfindung in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, sondern Köln mal aus einer ganz neuen Perspektive beschreibt und Lust macht, selbst mal wieder durch den Kölner Dom zu streifen.

 

 

 

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Mein Tipp im August:

"Weil wir Flügel haben" von Vanessa Diffenbaugh (Limes 19,99 €)

Nach ihrem erfolgreichen Debütroman "Die verborgene Sprache der Blumen" ist nun Vanessas Diffenbaughs neuer Roman "Weil wir Flügel haben" erschienen.

Auch in ihrem zweiten Roman schildert Diffenbaugh eine intensive Mutter-Tochter-Beziehung. Letty, mittlerweile Anfang dreißig und in San Francisco lebend, hat nie gelernt die Verantwortung für ihre beiden Kinder Alex und Luna zu übernehmen. Da sie bei der Geburt des ersten Kindes noch sehr jung war und ihre mexikanische Auswandererfamilie auf ihre finanzielle Unterstützung angewiesen war, hatte sie die Erziehung ihrer Kinder von Beginn an in die Hände ihrer patenten Mutter Maria Elena gelegt. Als diese von einem Tag auf den anderen das Land verlässt und ihrem Mann in die Heimat Mexiko folgt, wird Letty zum ersten Mal gezwungen ihre Mutterrolle anzunehmenIn ihrer anfänglichen Verzweiflung lässt sie ihre beiden minderjährigen Kinder alleine in der Wohnung zurück und reist den Eltern nach Mexiko nach, um sie umzustimmen.

Eindringlich schildert Diffenbaugh nun den Kampf Lettys, ihre eigenen Kinder zurück zu erobern und den Alltag mit ihnen zu meistern. Während sich die sechsjährige Luna pausenlos an die neu gewonnene Mutter klammert, flüchtet sich der pubertierende Alex in die Vogelfedersammlung seines Großvaters und  sucht bei der ersten großen Liebe Halt.

Immer wieder erleidet Letty Rückschläge, die sie zweifeln lassen, jemals eine gute Mutter zu werden und betäubt diese auch immer öfter mit Alkohol. Ob sie sich in ihrem Gefühlschaos verliert oder in ihre neue Rolle hinein wachsen kann, lesen sie selbst! Vanessa Diffenbaugh hat in ihrem zweiten Roman auf jeden Fall wieder großes Einfühlungsvermögen bewiesen und wunderbare Charaktere geschaffen, die lange im Herzen bleiben.

 

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Mein Tipp im Juli

"Robby aus der Räuberhöhle" von Barbara Landbeck (Jumbo 12,99 €)

Mitten im Städtchen Jottwede, verborgen hinter einer Mauer in einem dichten Wäldchen, wohnt Robby der Räuberjunge. In der kleinen Hütte ohne Wasser und Strom verbringt er dort mit Kater Momo und Krähe Karla wunderbare Tage. Niemand darf wissen, dass er dort momentan alleine lebt. Dies hat er seiner Räuber-Oma Hilde hoch und heilig versprochen. Denn sie muss für einige Zeit in Paris unterschlüpfen. Nur der Postbote Johann hat Zutritt zur Räuberhöhle und bringt Robby neben der Post von Oma Hilde auch hin und wieder Brot und Milch mit. Alles, was er sonst noch zum Leben braucht, verdient er sich auf dem Wochenmarkt.

Als Johann mal wieder zu Besuch ist, planschen die beiden so wild, dass die Adresse eines Briefes verwischt und sie ihn notgedrungen öffnen müssen. So kommt es, dass sie Thea mit den gelben Gummistiefeln vom Bahnhof abholen und deren Tante Dora finden müssen. Ohne Adresse ist dies jedoch gar nicht so einfach und es beginnt eine spannende Suche nach Tante Dora´s Haus, die Robby und Thea auf zwei richtige Räuber treffen lässt…

Eine räuberische Vorlesegeschichte für Kinder ab fünf Jahren!

 

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Mein Tipp im Februar

Katrin Burseg "Liebe ist ein Haus mit vielen Zimmern"

Marion von Schröder Verlag, 16,99 € 

"Wenn ich nicht mehr ich selbst bin, musst du gehen". Dies verspricht Carla dem älteren Willem bei der Hochzeit. Als der Grandseigneur der Modernen Kunst fünfzehn Jahre später an Alzheimer erkrankt, bekommt Carla die Tragweite ihres Versprechens zu spüren. Auch wenn Willem immer stärker von der Krankheit gefangen genommen wird, bleibt ihre Liebe zu ihm bestehen und sie versucht die lichten Momente mit Willem in der gemeinsamen Villa an der Alster zu genießen. Wie in jedem Jahr begrüßen sie gemeinsam die zurückkehrenden Wildgänse, die wenn sie sich einmal gefunden haben, ein Leben lang zusammen bleiben. Stärke und Ablenkung erfährt Carla in ihrem Beruf als Kunsthistorikerin in einem Museum, wo sie derzeit eine Ausstellung über die Sezessionisten - eine Hamburger Künstlergruppe - vorbereitet. Plötzlich taucht ein Gemälde "Das Apfelmädchen" der jüdischen Künstlerin Alma Reed, die zur Gruppe der Sezessionisten gehört, auf. Carla möchte den wertvollen Fund als Aufhänger der Ausstellung platzieren und beginnt das Leben der Künstlerin zu rekonstruieren. Im Zuge dieser Recherche zeigt sie auch dem kunsterfahrenen Willem das Bild. Dieser reagiert äußerst verstört und stellt Carla vor ein Rätsel. Welche Verbindung besteht zwischen Willem und dem Gemälde, kann sie ihm noch vertrauen? Gemeinsam mit ihrem Volontär und Jasper, dem Eigentümer des Bildes, versucht sie das Rätsel hinter dem Bild zu lösen. Es beginnt eine spannende Jagd nach der Wahrheit, wobei Carlas Gefühlsleben immer mehr ins Wanken gerät…

Die Autorin Katrin Burseg hat bereits einige historische Romane veröffentlicht und jetzt einen Roman geschrieben, der sich in der modernen Kunstwelt bewegt und gleichzeitig Historisches aufleben lässt. Passt auch gut zur gegenwärtigen Sonderausstellung in Berlin "Kunst aus dem Holocaust"! Gleichzeitig beleuchtet sie die tückische Krankheit Alzheimer und deren Auswirkungen auf Alltag und Lebensläufe Betroffener und Angehöriger.

Keine hochgeistige Literatur, aber interessant und spannend zu lesen - Die perfekte Unterhaltung für einen verschneiten Wintertag!

 

 

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Mein Buchtipp:

Hanns-Josef Ortheil "Die Berlinreise"

Luchterhand (16,99€)

Hanns-Josef Ortheil entführt seine Leser dieses Mal in das Berlin der 60er Jahre. Wie bereits mit der "Moselreise" hat er ein Reisetagebuch der besonderen Art geschaffen, das die wahre Vater-Sohn-Geschichte einer gemeinsamen Berlinreise erzählt. Es beschreibt aber nicht nur eine Reise in dei Vergangenheit, sondern zeichnet gleichzeitig auch ein einzigartiges und wunderbares Stadtportrait Berlins.

"Ich finde, Berlin ist keine Stadt, sondern ein großes Land oder Gelände, und es ist sehr verwirrend, dass es bestimmte Hauser, die es in anderen Städten nur einmal gibt, in Berlin mehrmals oder sehr oft gibt. Noch verwirrender aber ist es, dass es alles auch noch in einer westlichen und östlichen Ausführung gibt." (der 12-jährige Hans-Joseph Ortheil, 1964)