Die Buchhandlung mit den velen guten Seiten und dem blauen Pelztier

Sabine Hollermeier

Mein Tipp im Juni 2018

A.J. Finn "Woman in the Window" (Blanvalet, 15.-€)

Anna Fox besitzt ein wunderschönes Haus in New York, in dem sie zusammen mit ihrem Untermieter alleine lebt. Eigentlich ist sie Kinderpsychologin, aber seit einem traumatischen Erlebnis kann sie das Haus nicht mehr verlassen und arbeitet deshalb nur noch manchmal vom Computer aus. Ihr Leben besteht deshalb vorwiegend aus dem Beobachten der Nachbarn durch das Teleobjektiv ihres Fotoapparates, Computerschach und alten Schwarz-Weiß-Filmen, wo sie die Schicksale der Hauptpersonen immer wieder mit dem ihren vergleicht. Kontakte zur Außenwelt hält sie nur durch ganz wenige  Personen, vor allem ihr Untermieter besorgt ihr Lebensmittel und kümmert sich um ihr Wohlergehen.

Auch die Telefonate mit ihrem Mann und ihrer Tochter, die beide nicht mehr bei ihr wohnen, bringen ihr nur wenig Trost. Lediglich viel Tabletten und Wein lenken sie für kurze Zeit von ihren Depressionen ab.

Eines Tages beobachtet sie, wie in einem Nachbarhaus eine Frau erstochen wird. Panisch ruft sie bei der Polizei an und versucht dann verzweifelt, zu dem Haus zu gelangen. Allerdings wird sie nach wenigen Metern ohnmächtig und etwas später von den herbeigeeilten Polizisten gefunden. Da sie kaum ansprechbar ist und stark nach Alkohol riecht, und dazu in dem entsprechenden Haus die ganze Familie wohl auf ist, glaubt ihr die Polizei nicht. Und auch sie ist sich auf einmal nicht mehr sicher, was Wahrheit ist und was nicht.

Und genau ab jetzt wird es richtig spannend …wem oder was glaubt man, was geschah wirklich und wie schafft es Anna, diese zum einen unglaublich schwache, zum anderen aber auch starke Person, die Wahrheit zu finden?


Dieses Buch ist ein bisschen wie Hitchcock´s  „Fenster zum Hof“, aber auch gleichzeitig ein richtig spannender Thriller, den man zumindest ab dem zweiten Drittel nicht mehr aus der Hand legen kann!

 

 

 

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Mein Tipp im März 2018

Bernhard Schlink, Olga (Diogenes-Verlag, 24.-€)

Die Kindheit von Olga war alles andere als schön. Als noch im deutschen Kaiserreich ihre Eltern sehr früh starben, kam sie zur Großmutter, die sie zwar duldete, aber zu keinem Gefühl in der Lage war. Sehr schnell lernte Olga auf sich alleine gestellt zu sein, war eine sehr ambitionierte Schülerin und lernte bereits zu Schulzeiten Herbert kennen, einen Jungen aus gutem Hause, der aber von seiner Art her ein Außenseiter war. Trotz aller Widrigkeiten liebten sich Olga und Herbert, und waren in der kurzen gemeinsamen Zeit glücklich wie noch nie. Olga ließ sich zur Lehrerin ausbilden und Herbert, von den großen Zielen der damaligen Zeit angesteckt, ging nicht nur nach Südwestafrika, um dort gegen die Hereros zu kämpfen. Er trug eine Abenteuerlust in sich, die nicht zu bändigen war, kehrte immer wieder für Monate zu Olga zurück, bevor er sich wieder auf den Weg machen musste. Diese wenigen gemeinsamen Wochen genossen beide, aber es wohl eher eine Frage der Zeit, wann er irgendeine Expedition nicht überleben würde. Olga wartete eine lange Zeit, schrieb viele Briefe an ein Brieflager im hohen Norden, voller Liebe und Sehnsucht. Aber Herbert blieb verschollen.

Eines Tages wurde sie taub und musste ihre geliebte Arbeit mit den Kindern aufgeben. Sie schlug sich als Näherin durch und gewann die Freundschaft des Sohnes eines Kunden, die sie bis zu ihrem Tode nicht mehr aufgab und der der Chronist ihres Lebens wurde.

Dieses Buch wurde ja bereits sehr oft  bewertet und viele Kritiker fanden es eher enttäuschend. Ich las bisher alle Bücher von Bernhard Schlink und bin einfach nur begeistert. Diese Frau Olga, zum einen so selbständig, intelligent, aber auch leidenschaftlich, nimmer müde, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen, hat mich so sehr beeindruckt. Ein Plädoyer für viele Frauen des vergangenen Jahrhunderts, die so viel mehr hätten bewegen können, wären die gesellschaftlichen Verhältnisse anders gewesen.

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Mein Tipp im Februar 2018

Michael Robothom, Die Rivalin

Goldmann-Verlag, 14,99€

Agatha und Meghan sind zwei grundverschiedene Frauen Ende dreißig, die eigentlich wenig gemeinsam haben. Aber sie sind beide schwanger und treffen sich scheinbar zufällig in einem Supermarkt, in dem Agatha die Regale auffüllt und Meghan für sich, ihre beiden entzückenden Kinder und ihren Mann, ein erfolgreicher Fernsehmoderator, einkauft. Agatha verfolgt Meghan allerdings schon eine ganze Weile, sie kennt den Grundriss ihres Hauses und die Namen der Kinder. Sie ist eine unsichtbare Stalkerin und kann ihr Glück kaum fassen, als Meghan tatsächlich ihre Freundschaft sucht.

 Dass bei beiden Frauen nur wenig so ist, wie es nach außen hin scheint, ist schnell klar. Trotzdem versteht man Agatha, die aus sehr ärmlichen Verhältnissen kommt und deren größter Wunsch ein glückliches Familienleben ist. Und natürlich weiß man spätestens im zweiten Teil des Buches, dass dies nicht passieren kann. Trotzdem verliert man weder für die eine noch für die andere das Verständnis, auch weil die Kapitel abwechselnd aus der Sicht der zwei Frauen in der Ich-Perspektive geschrieben sind. Michael Robothom gelingt der schwierige Spagat aus Entsetzen und Sympathie für alles, was die beiden Damen tun und hält die sich erst langsam aufbauende Spannung bis zum Schluss.

Dies ist zwar kein  typischer Thriller - es kommt nicht mal jemand um!- , aber das Schicksal dieser beiden Frauen hat mich wirklich in ihren Bann gezogen und mich bis zur letzten Seite nicht mehr los gelassen.

 

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Mein Tipp im August 2017:

"Die Moortochter" von Karen Dionne

Goldmann-Verlag, 12,99€

Als die 27jährige Helena im Radio hört, dass aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Michigan ein Mann ausgebrochen ist, wird ihr sofort klar, dass dies nur ihr Vater sein kann, den sie vor 15 Jahren dorthin gebracht hat. Es wird ihr auch sofort klar, dass er nur auf der Suche nach ihr sein kann - der Tochter, die er damals mit einem entführten 14jährigen Mädchen tief in den kalten, grausamen  Wäldern von Upper Peninsula  gezeugt hat. Zwölf lange Jahre überlebten sie in der  kalten, brutalen Wildnis, bis Mutter und Tochter durch Zufall fliehen konnten. Ihre Mutter fand nach dieser Zeit nur schwer in die Normalität zurück und starb unter misteriösen Verhältnissen vor zwei Jahren. Helena selbst hat sich inzwischen eine kleine Familie aufgebaut, ihr Mann und ihre Freunde ahnen nichts von ihrer Jugend. Doch nun weiß sie, dass ihr Vater dies alles zerstören wird, wenn sie ihn nicht zuerst findet. Die Jagd beginnt..

Ein großartiger, sehr spannender Krimi, dessen besonderen Reiz aber auch seine Authentizität ausmacht. Die Autorin Karen Dionne lebte vor 40 Jahren tatsächlich mit Mann und Kind in der Wildnis von Michigan und lernte viel, um dort zu überleben. Ihr erstes Buch ist in Amerika ein großer Erfolg und auch bereits bei uns vollkommen zu recht auf dem Weg zu einem Bestseller.

 

 

"Der Mörder und das Mädchen" von Sofie Sarenbrant

Rütten & Loening, 16,99€

 

Endlich ist es soweit. Cornelia kann morgen aus dem ihr so verhassten Zuhause ausziehen, nur noch eine Nacht müssen sie und ihre kleine Tochter bei dem gewalttätigen, sadistischen Mann aushalten. Als Hans nachts nach Hause kommt, liegt sie bereits im Bett und stellt sich schlafend, als sie Schritte nach oben kommen hört. Doch dieses Mal wird sie verschont und kann es kaum fassen. Als sie am nächsten Morgen zusammen mit der kleinen Astrid nach unten kommt, liegt Hans erstochen im Gästezimmer. Und Astrid erzählt von einem fremden Mann, der nachts an ihrem Bett stand und sie streichelte. Nachdem die Kommissarin Emma und ihr Team die Ermittlungen aufgenommen haben, gerät Cornelia allerdings schnell selbst unter Verdacht, da sie ihren Mann nie angezeigt hat, keiner je die Verletzungen sah und dazu ihr Mann erst vor Kurzem eine hohe Lebensversicherung zu ihren Gunsten abschloss. Als sie verhaftet wird, und Astrid zu ihrer besten Freundin muss, scheint alles, was sie in den letzten Jahren erdulden musste, umsonst gewesen zu sein.

Sofie Sarenbrants erstes Buch hat es auf Anhieb zum "Krimi des Jahres" in Schweden gebracht, und meiner Meinung nach zu recht. Auch wenn es am Anfang nicht der spannenste Krimi ist, so wird er - erzählt aus wechselnden Perspektiven und unterteilt in ganz kurze Kapitel - immer besser und nimmt bis zur letzten Seite verblüffende Wendungen. Ein guter Urlaubskrimi, nicht zu blutig und überraschend anders als die typischen "Who-done-it"- Krimis!

 

 

 

 

 

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Mein Tipp im Mai 2017:

Wenn das Eis bricht von Camilla Grebe

btb-Verlag, 15.-€

 

Kurz vor Weihnachten wird im Haus eines bekannten, reichen Modekettenbesitzers in Stockholm die grausam zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden, der Hausherr ist verschwunden. Der Fall erinnert bis ins kleinste Detail an einen Mord, der 10 Jahre früher begangen wurde und den die Stockholmer Kriminalpolizei nie gelöst hat. Da auch jetzt die Polizei nicht weiter kommt, ruft sie die Kriminalpsychologin Hanne dazu, die damals bereits dem Team geholfen hat. Zwischen ihr und Ermittler Peter funkte es vor 10 Jahren bereits sehr heftig, aber leider zerbrach die Beziehung an Peters Ängsten. Auch jetzt kommen die beiden sich wieder näher, da aber Hanne an Demenz erkrankt, wird auch dieses Mal die Beziehung schwierig. Allerdings finden sie durch Hannes Hilfe die Verkäuferin Emma, die mit dem Modebaron verlobt ist und die verzweifelt nach ihm sucht, da er sich bereits seit Tagen nicht mehr gemeldet hat.

Die Autorin erzählt immer abwechselnd aus den drei Ich-Erzählperspektiven von Hanne, Peter und Emma. Dadurch baut sich zum einen richtig gute Spannung auf, zum anderen erfährt man sehr viel über die Gefühle der Hauptpersonen und merkt, dass langsam das Eis bricht und man vielleicht gar nicht alles wissen will, was sich darunter verbirgt.

Ein besonderer Krimi, der ohne grausame Details auskommt und trotzdem spannend ist!

 

 

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Mein Tipp im März 2017:

Max Annas, Illegal, Rowohlt-Verlag, 19,95€

Ohne Aufenthaltsgenehmigung als Schwarzer in Berlin zu leben, heißt, sich so unsichtbar wie möglich zu machen. Jede Polizeistreife wird zur Bedrohung, denn jede Kontrolle bedeutet Abschiebung. Kodjo ist ein junger Ghanaer, der seit über 10 Jahren in Berlin lebt. Zuerst war er verheiratet, hat sein Studium beendet und war legal, aber seit seiner Scheidung lebt er illegal in der Großstadt. Abhängig von wohlwollenden Freunden, die ihm einen Schlafplatz und Arbeit geben, versucht er, so wenig Aufsehen wie möglich zu erregen. Alles geht gut, bis er eines Tages im Nachbarhaus einen Mord beobachtet und sofort nachschauen muss, ob er die Frau vielleicht doch noch retten kann. Dabei sieht er den Mörder und einen Bewohner des Hauses, die allerdings auch beide ihn sehen. So wird er von einem Moment zum anderen zum Gejagten. Zum einen erfährt die Polizei , wie er aussieht, zum anderen unternimmt der Mörder alles, um ihn zu fassen und ihm die Schuld in die Schuhe zu schieben. Er rennt im wahrsten Sinne des Wortes um sein Leben, quer durch Berlin, muss immer schneller werden, aber die Schlinge zieht sich immer weiter zu.

Max Annas beschreibt die Situation Illegaler in Berlin sehr sachlich und klar, er erhebt weder Vorwürfe noch bewertet er die Situatiion. Man kann den jungen Kodjo so gut verstehen, auch wenn man ihm am liebsten zurufen würde, er solle doch lieber zuhause bleiben oder die andere Richtung nehmen. Je weiter man kommt, desto spannender und dichter wird das Buch, dessen Ende man im Traum nicht erahnt! Eine ganz andere Art von Krimi, aber absolut lesenswert!

 

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Mein Tipp im Februar 2017:

Rachel Weaver, Die Stille unter dem Eis. Piper-Verlag, 10.-€

Anna ist eine junge Frau, die in  ihrem Heimatland  Alaska mit Begeisterung ihrem Hobby, dem Eisklettern in Gletschern nachkommt. Als sie eine Jugendgruppe durch die kalten Felsen aus Eis führt, kommt  es zu einem Unfall, für den sie zwar nicht zur Rechenschaft gezogen wird,  der aber ihr ganzes Leben beeinflussen wird. Um mit sich selbst ins Reine zu kommen, nimmt sie zusammen mit Kyle, einen jungen Fischer , den sie beim Trampen kennen und lieben gelernt hat, eine Stelle als Leuchtturmwärter  auf einer winzigen Insel in der Nähe der Gletscher an, wo das Unglück passierte.

Das Leben auf dieser abgeschiedenen , kleinen Insel ist hart. Der vor der Tür stehende Winter hält früh Einzug und erlaubt nur selten, mit dem Boot in die nächste Stadt zu fahren. Die beiden sind vollkommen auf sich alleine gestellt, müssen die heruntergekommenen Wohn- und Schlafräumlichkeiten erst mühsam renovieren und die anfängliche Nähe und Liebe der beiden bröckelt, sowie das Leben auf der Insel härter und einsamer wird.

Sie schaffen es nicht,  ihre beiden Schicksale einander anzuvertrauen und die immer größer werdende Kälte des Winters nimmt auch von ihnen Besitz. Anna versucht, Spuren des vorherigen Wärters zu lesen und  fühlt sich ihm unbekannterweise nahe. Sie findet Zeichnungen, die er vom Meer machte , und versucht wiederum ihre Geschichte zu verarbeiten,  in dem sie die Gletscher malt. Kyle zieht sich zu jeder Gelegenheit zurück, um in der Scheune ein Kajak zu bauen, wie es bereits die Aleuten bauten. Ihn erdrückt die Einsamkeit und er  nimmt die erste Gelegenheit war, um von der Insel zu fliehen.

Dies ist bestimmt kein Krimi, aber dieses Buch liest sich so spannend und nimmt einen mit in eine Welt , die sich auf das Wesentliche reduziert. Die Sprache ist klar, große Emotionen sucht man hier vergebens. Aber Sie fühlen den immer stärker werdenden Wind, die kalte Gischt und die Einsamkeit der beiden Hauptpersonen.  Ich las dieses Buch an zwei (längeren) Abenden und bin immer noch von dem Leben auf der Leuchtturminsel fasziniert.

 

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Mein Tipp im Januar 2017:

Jilliane Hoffman, Insomnia. Wunderlich-Verlag, 19,95€

Seit 3 Jahren treibt in Florida ein Massenmörder sein Unwesen, seine Opfer sind junge, zierliche, dunkelhaarige Mädchen, die er, bevor er sie tötet, mit Werkzeugen misshandelt. Deshalb nennt man ihn auch den "Hammermörder". Eines Tages kommt die 17jährige Mallory Knight nicht von einer Party nach Hause und ihre Eltern und auch die Polizei vermuten das Schlimmste. Doch zum Glück wird sie zwei Tage später entkräftet und verletzt gefunden und erzählt, dass sie dem Hammermörder entkommen konnte. Der ermittelnde FBI-Agent Bobby Dees verwickelt sie allerdings sehr schnell in Widersprüche, die ihre Aussage zu Nichte machen. Durch ihre Lügen wird es sogar soweit kommen, dass die Familie wegziehen muss. Und der Mörder ist noch immer nicht gefasst.

Vier Jahre später kommt Mallory als Studentin nach Florida zurück. Auch wenn sie meint, dass nach all der Zeit Gras über ihre Geschichte gewachsen ist, so täuscht sie sich. Der Mörder hat nämlich nicht vergessen, dass sie ihn für ihre Spielchen benutzt hat. Bobby und sein Team sind ihm immer noch auf der Spur, und auch wenn man 100 Seiten vor dem Ende meint, dass er nun endlich gefasst sei, so geschehen auf den folgenden Seiten noch so viel spannende Entwicklungen, dass man es bis zum Schluss fast nicht aushält.

Jilliane Hoffmans 2. Fall um den Ermittler Bobby Dees ist nach "Cupido" und  "Mädchenfänger" wohl eines ihrer spannendsten und besten Thriller. Natürlich sind die Taten grausam und das Buch ist nichts für schwache Nerven. Wer aber endlich mal wieder einen richtig guten Pageturner sucht, hat mit "Insomnia" die richtige Wahl getroffen.

 

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Mein Tipp im November

Arne Dahl "Sieben minus Eins"

Piper-Verlag, 16.,99€

Ein 15jähriges Mädchen wird vermisst. Durch einen anonymen Hinweis werden die Ermittler um den Kommissar Sam Berger zu einem kleinen Bootshaus geführt, in dem ein Polizist durch eine Selbstschußanlage schwer verletzt wird. Ansonsten kommen sie zu spät, bis auf eine Blutspur im Keller des Häuschen finden sie nichts. Allerdings gibt es noch einen kleinen Hinweis, den nur Berger versteht, dies aber niemandem mitteilt. Nach langen Ermittlungen kommen sie einer Frau auf die Spur, die nicht nur bei diesem Fall immer auf Fotos zu sehen ist. Doch diese Zeugin ist vom schwedischen Geheimdienst und zuerst eigentlich der Meinung, dass Sam Berger selbst in den Fall involviert sei. Als auch sein Chef ihn  immer mehr verdächtigt, ermittelt Berger auf eigene Faust weiter und bekommt lediglich von Molly Blom Unterstützung, eben jener Geheimpolizistin. Zusammen jagen sie einen perfiden Täter, der immer einen Schritt weiter zu sein scheint als sie und der sie zu einem Geheimnis, das tief in ihrer Jugend liegt, führen wird.

Nachdem Arne Dahl 11 Bände mit mehreren, zum Teil weltweit agierenden Polizisten geschrieben hat, schuf er hier einen Thriller mit einem unglaublich charismatischen Kommissar, den man nicht unbedingt von Anfang an ins Herz schließt. Aber dieses Buch nimmt ständig so  viele Wendungen, und die Geschichten von Berger und Blom sind so vielschichtig, dass man eigentlich immer nur baff weiterlesen muss. Ein absoluter Cliffhanger - macht viel Vorfreude auf den nächsten Band!  

 

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Mein Tipp im September

J. Ryan Stradal "Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens"

Die kleine Eva Thorvald wächst unter ganz einfachen, aber sehr liebevollen Verhältnissen auf. Nachdem die Mutter die Familie wegen eines Sommeliers verlassen hat und Evas Vater, ein begnadeter Koch, kurze Zeit später stirbt, ziehen ein Onkel und eine Tante Eva wie ihr eigenes Kind auf. Bereits in jungen Jahren züchtet sie Peperoni mit einer unglaublichen Schärfe, die sie aber unbeschadet essen kann. Nachdem ein Freund sie in ein edles Lokal einlädt, bekommt sie dort eine Art Praktikumsplatz und ist fortan von der “Haute Cuisine”  begeistert. So langsam arbeitet sie sich hoch und ist eines Tages die angesagteste  Pop-up-Köchin Amerikas, wo sich Leute schon Jahre im Voraus einen Tisch für sehr viel Geld reservieren müssen.

Evas Geschichte wird in 8 Kapiteln erzählt. Allerdings handeln diese nie direkt von Eva, sondern haben immer ganz andere Hauptpersonen, Eva wird eher als Randperson erwähnt. All diese Personen und Geschichten gehören aber zusammen, und am Ende fügt sich alles zu einem großen Ganzen. Natürlich wird in diesem Roman viel gegessen und  getrunken, aber gleichzeitig erfährt man viel über die amerikanische Gesellschaft des Mittleren Westens .Ein ungewöhnliches Buch eines neuen amerikanischen Autors, auf dessen weitere Werke ich mich heute schon freue!

 

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Mein Tipp im August:

Henning Mankell "Die schwedischen Gummistiefel"

Hanser-Verlag, 26.-€

Fredrik Welin lebt ganz allein auf einer einsamen Schäre , seit er vor vielen Jahren als Arzt einen Kunstfehler begangen hat und einer Patientin den falschen Arm amputierte. Diese Schäre, auf der ein altes Haus steht, gehörte bereits seinem Großvater und er verbrachte viel Zeit in seiner Kindheit auf diesem einsamen, rauen und kalten Stück Erde. Eines Nachts brennt sein Haus aus unerklärbaren Gründen komplett ab, er kann lediglich sich und ein paar alte Gummistiefel retten. Schnell wird klar, dass es sich um Brandstiftung handelt und, da keiner in seiner Nähe war, verdächtigt ihn die Polizei der Tat. Er lebt noch einige Zeit in einem kleinen Wohnwagen, den seine Tochter Louise auf die Insel brachte und überlegt, wer ihm so nahe steht, dass er ihn jetzt trösten könnte. Außer dem alten Postboten Jansson und seiner Tochter, die allerdings in Paris wohnt, fällt ihm niemand ein, lediglich eine Journalistin, die ihn wegen des Brandes aufsucht, erobert sein Herz.

Als er immer weiter in das Visier der Polizei gerät, und seine Tochter ihn in Paris dringend braucht, lässt er alles liegen und flüchtet nach Paris, wo er verzweifelt nach seiner Tochter sucht und zum ersten Mal deren Leben und Familie kennenlernt. Nach viel Sprachlosigkeit und einem gegenseitigen vorsichtigen Abtasten finden sie einen Weg zueinander, der zwar noch keine großen Gefühle zulässt, aber sie erkennen ihre Zusammengehörigkeit. Dann brennen weitere Häuser in den Schären und Fredrik muss zurück in seinen Wohnwagen, um den Täter und sich selbst zu finden.

“Die schwedischen Gummistiefel” ist Henning Mankells letztes Buch. Auch wenn die Grundstimmung traurig und zum Teil verzweifelt ist, so hat die Geschichte trotz allem sehr viel Positives. Dieser Roman stellt soviel grundsätzliche Fragen über das Leben, über Freundschaft, Familie und auch über das Älterwerden und die Antworten, die Henning Mankell -  der zu der Zeit, als er das Buch schrieb, bereits von seiner Erkrankung wusste - sind zum Teil unbequem, ungewöhnlich, aber auch hoffnungsvoll und zukunftsweisend. Es lohnt sich, das Leben!

 

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Mein Tipp im Juni:

Cay Rademacher, Brennender Midi

Dumont-Verlag, 14,99€

Capitaine Roger Blanc wohnt noch nicht lange in einer alten, vom Onkel vererbten Ölmühle mitten in der Provence, als ein Todesfall die Region in Aufruhr versetzt: am letzten Sommerferientag stürzt ein junger Militärflieger in einen nahe gelegenen Olivenhain und ist auf der Stelle tot. Da er am folgenden Tag seine Abschlussprüfung gehabt hätte und ihm eine Karriere als Starfight-Flieger gewiss gewesen wäre, glaubt Blanc nicht an Selbstmord. Als er und sein Team die Ermittlungen aufnehmen, stoßen sie aber weder bei seinen Kollegen noch bei den wenigen Bekannten auf Trauer. Dafür finden sie eine Spur, die zu dem interessanten Doppelleben des Getöteten führt, wobei sie hier großen und vor allem einflussreichen Politikern gehörig auf die Füße steigen. Dazu kommt noch die wenig kooperative Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, die die Arbeit der Polizei nicht gerade leichter macht. Als ein zweiter Toter im gleichen Olivenhain gefunden wird, stehen sie vor einem noch größeren Rätsel...

Cay Rademacher ist eigentlich Redakteur bei GEO-Epoche, schreibt aber schon seit vielen Jahren Bücher und wohnt seit 2 Jahren mit seiner Familie in der Provence. Dies ist der dritte Krimi mit seinem Capitaine Blanc, und auch wenn ich die vorhergehenden nicht kenne, so fand ich ihn ganz wunderbar. Auf der einen Seite spannend, vielschichtig und mit einem heftigen Showdown, zum anderen wird die kauzige Bevölkerung augenzwinkernd und sehr amüsant beschrieben, die wunderschöne Landschaft meint man deutlich vor sich zu sehen und zu riechen.

Eine gelungene Urlaubs- oder Feierabendlektüre mit viel Lust auf den nächsten Teil!

P.S. Natürlich lebt Blanc in Scheidung und hat ein Verhältnis mit der Untersuchungsrichterin!

 

 

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Mein Tipp im April:

Alexandra Burt  "Remember Mia"

dtv, 14,90€

Estelle Paradise hat einen  Autounfall gerade eben überlebt und erwacht schwer verletzt im Krankenhaus auf. Der erste Gedanke gilt ihrer 7 Monate alten Tochter Mia, die wohl mit ihr im Auto saß. Oder doch nicht? Ihr kommen schwere Zweifel. An die vergangenen Tage kann sie sich beim besten Willen nicht erinnern. Nachdem ihr Mann auftaucht , kommen langsam verschiedene Erinnerungen wieder hoch, wie zum Beispiel, dass sie sich überfordert fühlte mit dem immer weinenden Baby, dass sie sich selbst sehr vernachlässigt hat und ihr Mann sich langsam von ihr abwendet. Nachdem sie in eine Klinik für psychisch kranke Patienten eingewiesen wird und ein Arzt ihr zuhört, kommen langsam noch mehr Erinnerungen zurück. Auch wenn die Polizei und auch ihr Mann davon ausgehen, dass sie zuerst ihr Kind umgebracht hat und dann sich selbst töten wollte, so kann sie nach und nach beweisen, dass das alles ganz anders war...

"Remember Mia" ist ein unheimlich spannender Thriller über eine Mutter, die verzweifelt ihr Kind sucht , teilweise von Selbstzweifeln zerfressen wird und der niemand glaubt. Es ist das erste Buch der amerikanischen Autorin und ich hoffe sehr, dass wir noch viel von ihr lesen werden!

 

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Mein Tipp im März:

Andreas Pflüger "Endgültig"

Suhrkamp-Verlag , 19,95€

 

Jenny Aaron war einst eine der besten Polizistinnen Deutschlands und für Spezialeinsätze trainiert, als ein Einsatz in Barcelona ihr bisheriges  Leben von einem Moment zum anderen zerstört. Ihr Partner und heimlicher Liebhaber wird dabei fast getötet, sie erblindet durch einen Kopfschuss und kann  sich an nichts mehr erinnern, als dass sie ihren Partner im Stich gelassen hat. Mit Hilfe ihres Vaters, einen ehemaligen GSG-9-Polizisten , kämpft sie sich ins Leben zurück und schärft ihre Sinne derart, dass sie als Verhörspezialistin hoch begehrt ist. Ab jetzt trägt sie Stöckelschuhe, um den Untergrund besser zu  hören und schafft es durch ständiges Klicken mit der Zunge, ihre Umgebung genau zu erkunden. 

Eines Tages bringt ein Mann, den sie wegen Mordes vor Jahren hinter Gitter brachte, im Gefängnis eine Psychologin um und besteht darauf, mit Jenny in Kontakt zu kommen. Sie ahnt, dass dies nur ein Vorwand ist, geht aber darauf ein und gerät in eine Falle, deren Ausmaß sie noch in keiner Weise erahnen kann. Sie wird alle ihre Kräfte mobilisieren, um die kommenden zwei Tage zu überleben und zusammen mit ihrer alten Einheit gegen das Böse ankämpfen.

Andreas Pflüger beschreibt das Leben der Blinden derart genau, sodass man sich perfekt in sie hinein versetzen kann. Die Sprache ist kurz, kein Satz zu viel, die Dialoge gestochen scharf. Von der ersten Seite an ist man gebannt und weiß sehr lange nicht, in welche  Richtung der Krimi geht. Wenn man dann doch am Ende ist, bleibt einem nur ein bewunderndes “Wow”. Seit Stieg Larsson hat mich kaum ein Thriller so begeistert und ich bin sehr gespannt, wie es mit Aaron weitergehen wird!

 

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Mein Tipp im Februar:

Elisabeth Herrmann, "Totengebet"

Goldmann-Verlag, 9,99€

 

Joachim Vernau, ein nicht besonders erfolgreicher Berliner Anwalt,  wacht eines Morgens im Krankenhaus auf und wird als Held von Berlin gefeiert, da er anscheinend einen Rabbi vor einem Angriff von Neo-Nazis bewahrt hat und dafür selbst ordentlich Prügel bezogen hat. Er  selbst hat nur sehr verschwommene Erinnerungen an die vergangene Nacht und sieht diese ganz anders. Vor allem sieht er eine geheimnisvolle junge Frau vor sich, die aber nirgendwo mehr auftaucht. Als der Rabbi nach einem Besuch von ihm plötzlich aus dem Fenster zu Tode stürzt, gerät er selbst unter Mordverdacht und kann gerade noch nach Israel fliehen, wo er vor 30 Jahren als Freiwilliger in einem Kibbuz gearbeitet hat. Einige junge Männer, die damals mit ihm zusammen Dienst hatten, verliebten sich nicht nur in das freie Leben in Israel…

Elisabeth Herrmanns neuer Krimi um den Anwalt Vernau und seine ehemalige Kollegin Marie-Luise ist dieses Mal wieder ein richtig guter Krimi. Spannend von der ersten Seite an, intelligent aufgebaut, mit ein paar humorvollen Anmerkungen der Mutter des Anwalts und ein Thema, über das ich wenig wusste: das Leben in einem Kibbuz. Sehr empfehlenswert!

 

 

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Mein Tipp im Januar:

Hjorth/Rosenfeldt, "Die Menschen, die es nicht verdienen". Rowohlt 19,95€”

Mirre ist ein kleiner Star einer Dokusoap und wird von einem Journalisten zu einem Gespräch eingeladen. Doch was ganz harmlos beginnt, endet in einem Drama. Man findet Mirre tot in einem Klassenzimmer mit einem Fragebogen über Allgemeinbildung auf dem Rücken, der die Note “mangelhaft” trägt. Und er ist lediglich der erste in einer Reihe von Pseudo-Promis, die wenig wissen, aber durch das Internet oder das Fernsehen einen gewissen Bekanntheitsgrad haben und hingerichtet aufgefunden werden.

Kommissar Höglund und sein Team stehen vor einem Rätsel, vor allem, weil sie schnell merken, dass der Mörder nicht nur extrem gebildet und intelligent ist, sondern er über Polizeiwissen verfügt, das eigentlich nur enge Mitarbeiter haben. Als Sebastian Bergmann, der im Team extrem unbeliebte Polizeipsychologe, versucht, ihn aus der Reserve zu locken, begeht er fast einen tödlichen Fehler.

 Der fünfte Fall des Autorenduos Hjorth/Rosenfeldts ist auch dieses Mal wieder unheimlich spannend. Die persönlichen Geschichten der einzelnen Mitarbeiter nehmen an Tiefe zu, stehen aber nicht im Vordergrund und auch das Thema der “Verdummung “ der Gesellschaft, das den Täter zu seinen Handlungen treibt, ist mal was ganz anderes. Und das Ende ist, wie fast jedes Mal, ein Paukenschlag.  Und ich weiß nicht, wie ich die Zeit bis zur Fortsetzung ohne Auflösung überstehen soll…

 


 

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Mein Tipp im November:

Fred Vargas "Das barmherzige Fallbeil"

Limes-Verlag, 19,99€

Als die Leichen einer alten Lehrerin und eines Schlossherren gefunden werden, glaubt die Polizei zuerst an Selbstmord, bis bei beiden die schemenhafte Zeichnung einer Gouillotine gefunden wird. Schnell findet Fred Vargas´ kauziger, liebenswert eigenwilliger Kommissar Adamsberg heraus, dass zwischen den beiden eine Verbindung existiert: sie lernten sich vor vielen Jahren  auf einer schicksalshaften Reise nach Island kennen, von der zwei Personen nicht mehr zurückkehrten. Und eine andere Verbindung finden die charismatischen Ermittler um Kommissar Adamsberg heraus: der Schlossherr sponserte eine Gesellschaft, die die Geschehnisse um Robespierre und die französische Revolution in einem unglaublichen Spektakel regelmäßig wiederaufleben lässt, indem bis zu 700 Beteiligten in Originalkostümen die Versammlungen von  Robespierre nachspielen.

Als Adamsberg meint, er müsse zur Aufklärung der Fälle nach Island reisen, stehen zum ersten Mal sein Vertreter Danglard und andere Kollegen nicht mehr hinter ihm. Mit nur zwei seiner Mitarbeiter, darunter die unglaublich starke Retancourt, begibt er sich auf eine Reise ins sagenumwobene Island, wo ein dichter Nebel und ein untoter Geist ihnen nach dem Leben trachten. Trotzdem finden sie Beweise, die sie auf die richtige Spur bringen.

Adamsbergs Spleens, wie das Sammeln von Kletten an den Hosenbeinen, dessen Ablesen ihm beim Denken hilft, das Kratzen , das Rauchen fast ungefüllter Zigaretten und vieles mehr machen das Besondere dieses Buches aus. Ein Eber, der auf eine Frau aufpasst und sie rettet, ein Polizeikater, der auf dem Drucker schläft und zum Fressen eine Etage höher getragen wird, Danglards unglaubliches Gedächtnis, das fast nur durch den Genuss von Weißwein funktioniert, aber auch der Ruf des isländischen Geistes sind wohl eher der Phantasie zuzuschreiben, aber ohne all diese Dinge wäre eine Fred Vargas keine Fred Vargas. Auf der einen Seite erfährt man viel über die französische Geschichte, auf der anderen ist das ein richtig guter, spannender Krimi, der viel zu früh zu Ende ist! Und jetzt heißt es wieder warten, bis die nächste Fred Vargas erscheint….

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Mein Tipp im September:

Keigo Higashino

Böse Absichten

Klett-Cotta-Verlag, 14,95€

Kurz vor seiner Abreise nach Kanada wird der gefeierte Bestsellerautor Hidaka in seinem Haus brutal ermordet. Sein bester Freund und seine Frau finden die Leiche , haben beide aber Alibis und überhaupt kein Motiv. Als Kommissar Kaga zu dem Tatort kommt, erkennt er in dem Freund seinen ehemaligen Kollegen, mit dem vor vielen Jahren an einer Schule unterrichtete, bevor er die Polizeilaufbahn einschlug. Schnell ergeben sich Hinweise, dass bei diesem Freund, ebenfalls Schriftsteller, nichts so ist, wie es am Anfang scheint. Und Kommissar Kaga nimmt die Herausforderung an und macht sich auf die Suche nach dunklen Geheimnissen. 

Dieser Krimi ist ein ganz besonderes Juwel. Eher leise, mit viel Wert auf Sprache und mit feiner Raffinesse erfährt man die Geschichte der beiden Freunde, die in jedem Kapitel eine neue Wendung nimmt und wo nach kurzer Zeit nichts mehr so ist wie es scheint. Wer der Mörder sein könnte, erfährt man früh, aber ist er es auch wirklich? Hat man großes Verständnis für ihn oder lügt er doch wieder? Auch wenn man mit Japan wenig zu tun hat, ist es sehr interessant, die dortigen Gepflogenheiten und Umgangsformen kennenzulernen. Ich habe selten einen Krimi gelesen, der so harmlos auf den ersten Blick wirkt und mich derart aufs Glatteis geführt hat. 

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Meine Tipps im Mai:

Tom Callaghan

Blutiger Winter

Atlantik-Verlag, 14,99€

Im Winter wird bei -20°C in Bischkek in Kirgisistan eine junge, brutal ermordete Frau gefunden, deren Tod an Grausamkeit kaum zu überbieten ist. Dem leitenden Inspektor Borubaew ist schnell klar, dass es sich bei der Toten um die Tochter des Staatsicherheitschefs handelt und er es nicht mit einem Einzelmörder zu tun hat, sondern ganz andere Machenschaften dahinter stecken. Nachdem er von ähnlichen Fällen im benachbarten Ausland hört und auch der toten Frau im eigenen, düsteren, kalten Land noch weitere Ermordete folgen, versuchen sowohl seine eigene Behörde als auch verschieden zwielichtige Institutionen ihn am Ermitteln zu hindern bzw. bedrohen ihn ganz gewaltig. Zusammen mit einer usbekischen Agentin und einem kriminellen Verwandten versucht er, Licht ins Dunkel zu bringen, wobei er sehr oft vor der Frage steht, wem er eigentlich trauen kann und wer auf welscher Seite steht.

Falls Sie bei diesem Wetter auf dem Balkon in der Sonne liegen und des schönen Wetters, der angenehmen Umgebung und der  Sicherheit und Verlässlichkeit Ihres Lebens leid sind, dann machen Sie sich doch auf und besuchen zumindest literarisch Kirgisistan. Ich musste zugegebenermaßen erst einmal auf der Karte nachschauen, wo genau dieses Land liegt und war dann neugierig, wie man wohl nach den vielen skandinavischen Krimis dort so mordet. Zuerst fiel mir die düstere Sprache auf, die Kälte, die man am eigenen Körper spürt, kein Wort zu viel, kaum Emotionen- doch, halt, natürlich hat auch dieser Kommissar den Tod seiner Frau noch nicht verdaut und trauert sehr . Trotzdem, ich konnte den Krimi nicht aus der Hand legen, fand immer mehr Sympathien für Inspektor Borubaew und fuhr mit ihm durch dieses arme, trostlose Land, das so wenig Zukunft hat und einen trotzdem im Bann hielt. Besuchen werde ich dieses Land bestimmt nicht, aber ich freue mich auf weiter Bücher von Tom Callaghan.

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Josh Malerman

Bird-Box

Penhaligon-Verlag, 19,99€

Malorie ist gerade schwanger, als über die gesamte Welt Wesen herfallen, bei deren Anblick man sich selbst oder andere sofort tötet. Auch ihre Familie stirbt auf diese grauenhafte Weise. Nur sie selbst schafft es zu überleben, indem sie ihr Haus komplett abdunkelt und nur mit verschlossenen Augen hinausgeht. Als ihre Vorräte langsam zur Neige gehen und sie bemerkt, dass sie alleine nicht überleben kann, macht sie sich auf den Weg, um ein anderes, noch bewohntes Haus zu finden. Nachdem sie es gefunden hat, findet sie dort Unterschlupf und kann zumindest während ihrer Schwangerschaft mit einigen anderen Menschen überleben. Doch auch dort sind die Nahrungsmittel begrent und nicht alle Mitbewohner ihr freundlich zugetan.

Die Spannung in diesem Buch ist unglaublich. Auch wenn mich die Thematik ein wenig an "Die Wand" von der Haushofer erinnert, so ist diese Dystopie so düster und gruselig, dass eher ein Vergleich zu Stephen King angebracht wäre. Ich habe dieses Buch an nur 2 Tagen ausgelesen, hatte abends doch ein bisschen Angst beim Gassi gehen und empfehle es jedem, der auf gute Grusel-Schocker steht!

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Christoffer Carlsson

Der Turm der toten Seelen

Bertelsmann, 14,99€

Bei einem missglückten Polizeieinsatz, bei dem ein Kollege erschossen wird, zieht man den jungen, ehrgeizigen Polizisten Leo Junker zur Verantwortung und suspendiert ihn. Seit dem bekämpft er die stetigen Panikattacken mit Tabletten und Alkohol und versucht verzweifelt, in seinen Beruf zurückzukehren. Als in seinem Wohnblock eine junge Prostituierte tot aufgefunden wird, die eine Kette in der Hand hält, die nur Leo etwas sagen kann, weiß er, dass er unter allen Umständen ermitteln muss. Auch wenn ihn einer seiner Vorgesetzten unterstützt, so ist seine Mitarbeit weder erlaubt noch erwünscht und er muss mit viel Fingerspitzengefühl ermitteln. Aber am Schlimmsten für ihn ist, dass er sich seinen längst verdrängten Erlebnissen in seiner Jugend stellen muss, die ihn schon damals fast in den Abgrund gerissen haben.

Bei diesem Krimi geht es nicht nur um Spannung oder um die Täterfrage, sondern eher um die seelischen Abgründe der einzelnen Personen, die so vielschichtig und interessant sind, dass die eigentliche Geschichte eher in den Hintergrund rückt. Leo Junker kann ein neuer Ermittler in Stockholm werden, er hat definitiv Kultcharakter und ich freue mich sehr auf die Fortsetzung!

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Jan Seghers

Die Sterntaler-Verschwörung

Kindler-Verlag, 19,95€

Frankfurt, im Sommer 2008. Als der junge, mittellose Süleyman bei einem verunglückten Motorradfahrer die Taschen plündert, findet er einen sehr brisanten Umschlag mit eindeutigen Fotos, die es so nicht geben dürfte. Er wittert seine Chance, zu Geld zu kommen, ohne zu wissen auf welche Gegner er sich einläßt. Zur gleichen Zeit geschieht in einem Frankfurter Hotel ein brutaler Mord an einer sehr engagierten Journalistin. Als Kommissar Marthaler seine Ermittlungen starten will, wird er vom LKA ausgebremst und soll sich sofort zurückziehen. Da ihm die Erklärungen aber nicht zufrieden stellen und er auf eine politische Intrige stößt, ermitteln er und sein Team weiter - und kommen einem sehr brisanten politischen Komplott auf die Spur.

Die Geschichte spielt zur Zeit der Landtagswahl in Hessen, Ähnlichkeiten mit wirklichen Personen sind durchaus vorhanden, wenn auch, wie ausdrücklich im Vorwort erwähnt, angeblich rein zufällig . Für mich ist der neue Roman von Jan Seghers nicht nur ein spannender Krimi, sondern auch ein hervorragender Spiegel der momentanen Gesellschaft und Politik. Auch die persönliche Geschichte des Kommissars ist wie immer sehr abwechslungsreich, man freut sich und bangt mit ihm und wünscht ihm das Beste.

Jan Seghers läßt sich - leider - immer sehr viel Zeit mit seinem Büchern, was natürlich dem hohen Anspruch geschuldet ist. Eine wahre Perle im Krimimeer!