Die Buchhandlung mit den velen guten Seiten und dem blauen Pelztier

Ortrud Mücka

Mein Tipp im Februar 2021:

Ottessa Moshfegh, Der Tod in ihren Händen, Hanser Vlg.

Ottessa Moshfegh ist eine junge Autorin aus Boston mit kroatisch-persischer Abstammung. Ihr neuer Roman ist im Januar im Hanser Vlg. erschienen.
Die 72-jährige Vesta lebt abgeschieden in einem Industrieort in Maine am Waldrand. Auf einem Spaziergang mit ihrem Hund findet sie einen mysteriösen Zettel auf dem steht: Sie hieß Magda. Niemand wird je erfahren wer sie ermordet hat. Ich war es nicht. Hier ist ihre Leiche.
Aber es findet sich weit und breit keine Leiche. Also beschließt Vesta das Rätsel um Magda zu lösen. Sie recherchiert im Internet findet aber keine Antworten. Diese findet sie in ihrem Kopf, in ihrer Fantasie. Sie denkt darüber nach wer Magda gewesen sein mag, wie ihr Leben war und wer sie ermordet haben könnte. Die Lösung des Falls wird mehr und mehr zur Obsession für sie. Man fängt an sich zu fragen, was mit Vesta los ist, gibt es diesen Zettel wirklich, gibt es Magda überhaupt. Sind das Fantasien von Vesta, fantasiert sie ich da in irgendetwas rein, weil sie alleine im Wald lebt. Realität und Fiktion vermischen sich immer mehr.
„Der Tod in ihren Händen” ist keine klassische Kriminalgeschichte. Eher ein psychologischer Roman, eine Schauergeschichte über eine verstörende Frauenfigur, die herausfordert. Wer sich darauf einlassen kann wird mit Ottessa Moshfeghs Roman nicht enttäuscht.

 

Mein Tipp im Januar 2021:

Tamsin Calidas, Vor mir nichts als Meer - Meine langsame Rückkehr vom Rande des Abgrunds. Verlag Harper Collins 

Die britische Autorin Tamsin Calidas erzählt die autobiografische Geschichte einer Frau, die mit ihrem Mann das laute, hektische London verlässt und auf eine kleine, abgeschiedene Insel der schottischen Hebriden zieht. Dort kaufen sie eine Farm und wollen sich ein selbstbestimmtes, autarkes Leben aufbauen. Tamsin fühlt sich sofort auf der Insel angekommen. Es ist „ihr Ort”, ihr Zuhause. Doch für das Paar gemeinsam läuft es nicht gut: ein schlimmer Unfall, sie kann  keine Kinder mehr bekommen, die Ehe zerbricht. Nun ist sie allein den Anfeindungen der Inselbewohner ausgesetzt. Sie muss sich immer wieder als „Frau” und als „Fremde” behaupten und lernen alleine zurecht zu kommen.

Wie sie finanzielle Not, raue Naturerlebnisse und bittere Einsamkeit durchlebt ist erstaunlich und schockierend zugleich. Mich hat das Buch sehr beeindruckt. Man ist hin und her gerissen. Einerseits ist es unglaublich traurig und melancholisch andererseits berührt es durch seine poetische Sprache und die wunderschönen Naturbeschreibungen. Es passt gut in die dunkle Jahreszeit weil es Trost und Zuversicht spendet.

Unbedingt lesen!


Mein Tipp im November 2020:

Elke Heidenreich, "Männer in Kamelhaarmänteln". Hanser Verlag, 22 €

In ihrem neuen Buch schreibt Elke Heidenreich kurze, leichte, manchmal melancholische Geschichten über Menschen und Kleider. Es sind persönliche Erinnerungen aus ihrem Leben mit vielen privaten Fotos. Geschichten von sich selbst mit 16 Jahren, von Freundinnen und Freunden, von Liebe und Trennung. Kleine Anekdoten in der sich jeder wiedererkennen kann. Kurzweilig, charmant, humorvoll, traurig und berührend.

Übrigens ist auf dem Cover Frida Kahlo zu sehen. Sie hat bis zu ihrem Unfall sehr gerne Herrenanzüge getragen.